Projektarbeiten sind aus dem modernen Schulalltag kaum mehr wegzudenken. Sie fördern nicht nur Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen, sondern auch Kreativität, Eigenverantwortung und ein gutes Zeitmanagement. Fähigkeiten, die weit über die Schulzeit hinaus von Bedeutung sind. Doch manchmal entstehen aus solchen Projekten Ergebnisse, die weit über das Übliche hinausgehen.
Ein außergewöhnliches Vorhaben haben sich zehn Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Jean-Paul-Gymnasiums in Hof vorgenommen: Sie schreiben ihren eigenen Roman und das nicht nur für die Schublade. Das Buch wird offiziell veröffentlicht, erhält eine ISBN-Nummer und ist deutschlandweit im Handel erhältlich. Möglich macht dies das Bildungsprojekt „Buch macht Schule – Schule macht Buch“ des Verlags Edition Schröck-Schmidt. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von Verleger Wolfgang Schröck-Schmidt und der Schriftstellerin Carola Kupfer, die Schulklassen über den gesamten Entstehungsprozess hinweg begleiten. Von der ersten Idee bis zum fertigen Buch stehen sie mit Workshops, Feedback und fachlicher Unterstützung zur Seite. Rund 30 Schülerromane sind auf diese Weise bereits entstanden. Nun ist auch das Jean-Paul-Gymnasium Teil dieses besonderen Projekts.
Begleitet wird die Hofer Gruppe von Lehrerin Kathrin Rau, die das Projekt betreut. „Das ist für uns alle eine aufregende Sache“, erzählt sie. „Was am Anfang wie eine überwältigende Aufgabe wirkte, wurde im Laufe der Zeit immer greifbarer. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt über sich hinausgewachsen sind.“ Als Thema für ihren Roman wählte die Gruppe ein prägendes Ereignis der Hofer Stadtgeschichte: den verheerenden Stadtbrand von 1823. Doch anstatt sich ausschließlich historisch zu nähern, entschieden sich die Jugendlichen für einen kreativen erzählerischen Ansatz. Apollonia Kipferl, eine mitwirkende Schülerin, erklärt: „Unser Roman verbindet zwei Zeitebenen – den Stadtbrand von 1823 in Hof und die Gegenwart. Durch Flashbacks werden die Geschichten miteinander verwoben und zeigen, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind.“
Die Schulklasse realisiert dabei fächerübergreifend das Romanprojekt mit gemeinsamen Recherchen, Schreib-Teams, Besichtigungen und Themen-Workshops. Ebenfalls kümmert sich die Klasse um das Marketing, das Cover und die Werbung. Auch Lesungen nach der Veröffentlichung werden von der Gruppe selbst organisiert. Um die historischen Hintergründe möglichst authentisch darzustellen, führte die Recherche die Klasse unter anderem ins Museum Bayerisches Vogtland sowie ins Stadtarchiv Hof. Dort konnten originale Dokumente und Quellen zum Stadtbrand eingesehen werden. Auch Schauplätze wie die Ludwigstraße wurden besucht, um ein Gefühl für die damaligen Gegebenheiten zu entwickeln.
Schülerin Leni-Mae Vollert erzählt: „Die Zusammenarbeit mit dem Museum und dem Stadtarchiv war für unser Projekt besonders wichtig. Dort konnten wir originale Quellen und Materialien zum Stadtbrand von 1823 einsehen und unsere Recherche vertiefen. Das hat uns geholfen, die Geschichte möglichst authentisch in unserem Roman darzustellen.“
Der rund 200 Seiten starke Jugendroman verbindet historische Fakten mit einer fiktiven Handlung – und auch eine Liebesgeschichte findet darin ihren Platz. So entsteht eine Erzählung, die sowohl informiert als auch emotional berührt. Die Veröffentlichung des Buches ist für den 21. Juli geplant. An diesem Tag wird das Werk im Hofer Rathaus vorgestellt und ist anschließend im Buchhandel erhältlich. Derzeit befinden sich die Schülerinnen und Schüler in den letzten Zügen ihres Projekts und planen bereits erste Lesungstermine. Schon jetzt steht fest: Dieses Projekt ist ein voller Erfolg. Denn unabhängig vom späteren Verkauf haben die Jugendlichen etwas geschaffen, das weit über den Unterricht hinausgeht. Ein eigenes Buch zu veröffentlichen – das ist selbst für viele Erwachsene ein Lebenstraum. Und für die Leser entsteht eine spannende neue Perspektive auf die Geschichte ihrer Stadt. Michaela Spindler
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Die Mitwirkenden am Buchprojekt: In der letzten Reihe von links Ariel Döhla, Ahsen Arslan, Leni-Mae Vollert, Apollonia Kipferl, Julian Gollwitzer; in der Reihe davor Antonia Wagner und Olesia Yefimenko und ganz vorne Sophie-Marie Rank, Liana Radi und Madelaine Döhling.
Foto: Kathrin Rau

