„Unfälle absichern, Verkehr lenken, Hochwasser abpumpen“ – so oder ähnlich lauteten noch vor wenigen Jahren bei vielen Menschen die ersten Assoziationen zum Thema THW (Technisches Hilfswerk). Das wandelt sich gerade: Zivil- und Katastrophenschutz gehörten zwar schon immer zu den Kernaufgaben der Organisation, rücken aber aktuell neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Was die Aufgaben des THW sind, und warum es gut ist, dass der „blauen Truppe“ viele Frauen angehören, klären wir in einem Gespräch mit Haupt- und Ehrenamtlichen:
Als Bundesanstalt leistet das THW seit über 75 Jahren technische Hilfe im In- und Ausland. In 66 Regionalstellen, acht Landesverbänden, drei Ausbildungszentren und der THW-Leitung arbeiten über 2200 hauptamtliche Mitarbeiter. Die über 88.000 Helfer in den Ortsverbänden jedoch sind ehrenamtlich tätig – ein im Zivil- und Katastrophenschutz weltweit einzigartiges Konzept.
Silvia Gulden ist seit fünf Jahren Leiterin der Regionalstelle Hof, die 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat und als Servicestelle für die neun Ortsverbände Bayreuth, Hof, Kronach, Kulmbach, Marktredwitz, Naila, Pegnitz, Selb und Weiden fungiert. „Der Aufbau des Zivilschutzes verändert unsere Tätigkeit“ berichtet Gulden. „Dieses Feld wurde in den vergangenen Jahren vernachlässigt und rückt jetzt neu in den Fokus.“
Manche Ausrüstungsgegenstände, wie beispielsweise Gasmasken, seien vor Ort nicht mehr vorhanden und müssen nun neu angeschafft werden. Einsatzkräfte müssen ausgebildet und bekannte Szenarien in neuen Zusammenhängen geübt werden – von der Errichtung einer Beleuchtung und Stromversorgung über die Ortung von Menschen nach einem Gebäudeeinsturz bis hin zur Verpflegung größerer Menschenmassen.
Ein „praktisches Ehrenamt“ als Ausgleich zu ihrer beruflichen Tätigkeit als Lehrerin hat Renate Grillmeier gesucht, als sie beim THW-Ortsverband Hof gelandet ist. „Ich habe mich an das Köditzer Hochwasser erinnert und daran, dass ich mir damals gedacht habe, ich würde gerne helfen, aber weiß nicht, wie.“ Beim THW hat sie sich sofort wohlgefühlt, inzwischen bei vielen Notlagen geholfen und ihr Ehrenamt sehr liebgewonnen. Grillmeiers anfängliche Befürchtungen, man müsste vielleicht besonders handwerklich begabt sein, haben sich nicht bewahrheitet: „Jeder kann sich ganz nach seinen Fähigkeiten und Gaben einbringen.“ Aufgaben gibt es viele – neben den klassischen Einsätzen beispielsweise auch in der Jugendarbeit, Küche oder der Verwaltung.
Die Ortsverbände seien ein „bunt gemischter Haufen“ von Menschen aller Berufs- und Altersgruppen. In Hof seien beispielsweise erst kürzlich einige ältere Damen hinzugestoßen. Renate Grillmeier hat in den vergangenen Jahren ihr Organisationstalent entdeckt und wird künftig dieses verstärkt einbringen: Als neue stellvertretende Ortsbeauftragte unterstützt und vertritt sie den Ortsbeauftragten Markus Wanninger. Im Einsatzfall koordiniert sie außerdem von der Unterkunft aus alle administrativen Aufgaben und betreut den Leitungs- und Koordinierungsstab. Renate Grillmeier möchte alle interessierten Menschen – unabhängig vom Geschlecht – zu einem Ehrenamt beim THW ermutigen: „Jeder hilft uns weiter! Und mir persönlich gibt es eine große Befriedigung, mich nützlich zu machen.“
35 Prozent Frauen
Katharina Bunzmann, hauptamtlich tätig als Sachbearbeiterin Ehrenamt der Regionalstelle Hof, berichtet von einem Frauenanteil von 35 Prozent bei den Angestellten der Regionalstelle sowie einem Frauenanteil von rund 20 Prozent in den Ortsverbänden und in der Jugendarbeit in der Region. Damit liege man etwas über dem bundesweiten Schnitt, und es sei der Präsidentin Sabine Lackner, die seit 2023 im Dienst ist, ein großes Anliegen, den Frauenanteil weiter zu erhöhen. Sinnvoll erscheint das allemal. Nicht zuletzt im Hinblick auf die angestrebte Erhöhung der Helfer-Zahl kann es nur von Vorteil sein, wenn ein ehrenamtliches Engagement im THW attraktiv für Männer wie Frauen ist, und wenn in Notlangen Helfende beiderlei Geschlechts zur Verfügung stehen.
Auch die Sensibilisierung der Bevölkerung gehört zu den Aufgaben des THW. „Jeder Mensch sollte die gängigen Alarmsignale kennen, eine Grundversorgung zuhause haben und wissen, wie man einen Notfallrucksack packt“, erklärt Silvia Gulden. Eine entsprechende Broschüre des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit dem Titel „Vorsorge für Krisen und Katastrophen“ können Interessenten bei Stadt und Landkreis Hof erhalten.
Den Schulen bietet das THW mit Unterstützung der Bundesfreiwilligendienstleistenden spezielle Unterrichtseinheiten zum Thema Zivil- und Katastrophenschutz an, um auch Schüler altersgerecht an das Thema heranzuführen und ihnen die wichtigsten Verhaltensregeln zu vermitteln.
Freiwilligendienst
Ein Bundesfreiwilligendienst ist auch in der Hofer Regionalstelle möglich. „Das Angebot wird gerne angenommen“, erzählt Silvia Gulden. Bufdis können sich hier ausprobieren, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und vielleicht auch Inspirationen für ihre berufliche Laufbahn sammeln. „Es kommen jedoch nicht nur Schulabgänger, sondern oft auch ältere Menschen. Das begrüßen wir ausdrücklich und schätzen dieses Miteinander von Jung und Alt sehr.“
Denn ob jung oder alt, Frau oder Mann, haupt- oder ehrenamtlich: Wenn es darauf ankommt, sind die Helferinnen und Helfer des THW da und helfen – jeder mit seinen besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten. Sandra Langer
Wer sich für ein Ehrenamt beim THW interessiert, findet unter www.thw.de viele Informationen sowie die Kontaktdaten aller Ortsverbände. Es gibt auch Kinder- und Jugendgruppen (Eintrittsalter je nach Ortsverband sechs oder zehn Jahre), in denen Grundkenntnisse über Einsätze und Abläufe sowie handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden. Je älter die Jugendlichen werden, desto ähnlicher wird ihr Dienst dem der Erwachsenen.
Darüber hinaus können Interessierte aller Altersklassen (ab 16 Jahren) beim THW auch einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten. Bufdis erhalten beim THW ein Taschengeld von 550 Euro pro Monat bei einer Arbeitszeit von 39 Wochenstunden und 30 Urlaubstagen im Jahr. Weitere Infos und das Bewerbungsformular gibt es online unter https://thw-bufdi.de/ Die Regionalstelle Hof beantwortet gerne Fragen dazu unter der Telefonnummer 09281/144 95 0.
Die Broschüre „Vorsorge für Krisen und Katastrophen“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist bei Stadt und Landkreis Hof erhältlich und kann online unter https://www.bbk.bund.de/ eingesehen werden.
Foto:
Silvia Gulden, Renate Grillmeier und Katharina Bunzmann (von links) zeigen, dass das THW keine reine Männerdomäne mehr ist.

