
Zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst lädt Pfarrer i.R. Rudolf Koller gemeinsam mit den Herausgebern, dem Praktischen Theologen Professor Alexander Deeg und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Benjamin Fuchs von der Universität Leipzig, am 10. Mai um 19 Uhr in die Hospitalkirche Hof ein. Unter dem Titel „Aufrichtende Anteilnahme“ stellen sie ein soeben neu erschienenes Buch mit Predigten und Predigtstücken aus vier Jahrzehnten vor, die ihr verstorbener Kollege Johannes Taig hinterlassen hat.
Das Buch ist eine Hommage an den weit über Hof hinaus beliebten Prediger Johannes Taig (1958-2019). „In seinen Predigten begegnet uns Johannes Taig immer wieder so, wie er vielen im Gedächtnis geblieben sein dürfte: politisch klar, authentisch menschlich, fröhlich, fromm und tiefgründig“, sagt Pfarrer Koller. Und Alexander Deeg betont: „Es gibt wohl nur sehr wenige, die sprachliche Präzision, theologische Tiefe und aktuelle Relevanz so in ihren Predigten verbinden wie Johannes Taig.“
Tatsächlich galt der verstorbene evangelische Pfarrer als ein wahres Predigtereignis. Als Erstgeborener seiner Eltern Hans und Anita Taig, wurde er von der Frömmigkeit im Frankenwald geprägt, aber gleichermaßen auch von Musik und Gesang, die ihn ein Leben lang begleiteten. Nach dem Abitur in Naila trat er ein Theologiestudium in Erlagen an und ging später nach Tübingen. Sein Vikariat leistete er in Marktleuthen ab, von November 1985 an war er Pfarrer in der Hospitalkirche. In Erinnerung ist vielen noch seine Liebe zur Natur und insbesondere zu Tieren. So wurde die Bewahrung der Lebensgrundlagen des Menschen zum wiederkehrenden Thema in seinen Predigten.
Pfarrer Rudolf Koller verbrachte als 2. Pfarrer der Hospitalkirche die letzten zehn Jahre von Johannes Taig an dessen Seite. Was ihm aus dieser Zeit besonders in Erinnerung ist: „Ich war beeindruckt, wie ordentlich das Haus bestellt war.“ Pfarrer Taig hatte eine Gemeinde mit Ehrenamtlichen um sich geschart, die gerne mitarbeiteten. Charakteristisch seien seine tätige Nächstenliebe und seine Belesenheit gewesen – vielleicht ein Grund, warum seine Predigten so einzigartig ausfielen. Dass jetzt ein Buch mit 28 Predigten, homiletischen Werkstücken und Aphorismen entstanden ist, ist auch und vor allem einem Zufall zu verdanken: „Als ich im Sommer 2024 in den Ruhestand verabschiedet wurde, überreichte mir die Pfarramtssekretärin fünf dicke Ordner aus dem Archiv – allesamt mit maschinengeschriebenen Predigten von Johannes Taig aus über drei Jahrzehnten“ erzählt er.
Mit Professor Alexander Deeg gewann Pfarrer Koller einen Mitstreiter für das Buchprojekt, der Johannes Taig kannte und schätzte. „Immer dann, wenn ich als gebürtiger Rehauer und jahrelanger Hofer in meiner alten Heimat war, versuchte ich sonntags in der Hospitalkirche zu sein, wo sich immer wieder die Predigten von Johannes Taig lohnten“, erinnert sich Alexander Deeg. Diese Predigten hätten ebenso aufrüttelnd wie tröstend gewirkt. „Es war damals auch für mich ein herber Verlust, vom viel zu frühen Tod des ebenso kantigen wie geschätzten Hofer Pfarrers zu hören“, bekennt er.
Umso mehr sei es eine besondere Ehre und Freude gewesen, als Pfarrer Rudolf Koller mit der Frage an ihn herantrat, was man denn mit den vielen Predigten aus dem Nachlass von Johannes Taig machen könnte. Man habe sich eine Weile beraten und die Idee zu einem Predigtbuch entwickelt, das indes mehr sei als eine Sammlung von Predigten. Neben den „besten Predigten Johannes Taigs“, die unter mehreren hundert ausgewählt wurden, finden sich auch prägnante Abschnitte aus Predigten und Aphorismen. Sie geben einen vielfältigen Einblick in das Denken, den Glauben und die Sprache des unvergessenen Predigers. Manfred Köhler
Info:
Das Buchprojekt „Aufrichtende Anteilnahme“ wurde dank des finanziellen Engagements eines Ehepaares der Hospitalkirchengemeinde und dem Rotary-Club Hof möglich. Nach dem Gottesdienst mit Buchvorstellung am 10. Mai um 19 Uhr sind die Gäste eingeladen, sich am Austausch über das Projekt zu beteiligen und sich gemeinsam an einen besonderen Prediger und Menschen zu erinnern.
