Das Hofer Land bietet alle Chancen, die nötig sind, um auch überregional Karriere zu machen. Das zeigen immer wieder die Lebensläufe von Hofern, die in die Welt hinausziehen und in wichtige Positionen aufsteigen. Aber wie haben sie das, rückwirkend betrachtet, eigentlich geschafft? Und wie stark ist bei aller räumlichen Distanz die Bindung zu ihrer Hofer Heimat geblieben?
Professor Wolfgang Merkel, geboren 1952 in Hof, ist seit langer Zeit ein Dauergast in den Medien. Als einer der führenden deutschen Politikwissenschaftler äußert er sich zu den großen Themen der Zeit – von den Corona-Folgen über den Zustand der Demokratie bis hin zum Ukraine-Krieg. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2020 wirkte er als Direktor des Wissenschaftszentrums Berlin. Davor war er Professor für Politikwissenschaft an den Universitäten Mainz und Heidelberg. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Über seinen Werdegang sagt Professor Merkel heute in typisch fränkischer Bescheidenheit: „Es hätte schlechter laufen können.“ Erst spät habe er bemerkt, dass er aus seiner Schulkarriere am Jean-Paul-Gymnasium Hof doch mehr für das Leben mitgenommen habe, als er zu Schulzeiten vermuten durfte. Als wichtig für seinen späteren beruflichen Erfolg schätzt er auch den Leistungsgedanken in seiner Familie ein und die Leistungspraxis bei den Leichtathleten der Spielvereinigung Hof. Eine erste „Belohnung“ für hartes Training seien drei bayerische Juniorentitel im leichtathletischen Fünfkampf gewesen. Und danach? „Im späteren Berufsleben war es vor allem Hinwendung, Passion, Authentizität und Leistungsfreude, die mir geholfen haben“, sagt er.
Beim Gedanken daran, was nach einer langen, erfolgreichen Karriere bleibt, wünscht sich Wolfgang Merkel: „Viel wäre es mir wert, wenn von den Tausenden von Studenten und Studentinnen, die meine Vorlesungen und Seminare an den Universitäten in Mainz, Heidelberg und der Humboldt Universität oder im Ausland besucht haben, sich möglichst viele meiner gerne erinnern.“ Das sei ihm immer mehr wert gewesen als wissenschaftliche Preise und Ehrungen. Tatsächlich sei es auch die Lehre an der Universität, was ihm von seinen einstigen Funktionen am meisten fehle. „Bisweilen lehre ich noch freiwillig“, erzählt er. Aber das sei etwas anderes als wirklich mit Studenten zu arbeiten, sie durch Examen, Promotion und Habilitation zu führen. Bücher schreiben, Aufsätze verfassen, Talkshows besuchen oder Vorträge zu halten, auch das tue er immer noch, meist mit Vergnügen.
Aktuell allerdings steht ein ganz anderes Projekt im Vordergrund: „Gerade bereite ich mit meiner Frau unsere Rückkehr nach Hof vor“, verrät Professor Merkel. Man habe sich entschlossen, nach 50 Jahren Heidelberg, Berlin, Italien, Spanien, USA und Australien den Lebensabend im beschaulichen Hof zu verbringen: „Wir haben uns ein Haus neben meinem Elternhaus gekauft und hoffen, dort im Sommer einziehen zu können.“ Die Rückkehr werde ihnen leicht gemacht von all den guten Freunden, die sie behalten oder neu dazu bekommen hätten. Pläne für die Zeit nach dem Umzug gibt es auch schon: „Wir können uns gut vorstellen, in Hof auch immer wieder Diskussionsabende zur aktuellen Politik zu organisieren.“ Brisante Themen gebe es ja mehr als man sich wünschen könne … Manfred Köhler
„Das muss wohl Heimat sein“
Welche Kindheits- und Jugenderinnerungen an Hof sind Ihnen besonders wichtig?
Schule, Sport, Freunde, Familie. Die Schule war sehr konservativ, bisweilen auch autoritär. Das hat sich enorm zum Guten verändert, wovon ich mich jüngst bei einem Besuch des Jean-Paul-Gymnasiums überzeugen durfte. Bei der Spielvereinigung Hof, den „Spotzern“ und Freunden habe ich die Gemeinschaft zu schätzen gelernt, von meinen Eltern Toleranz und Liberalität.
Welche Rolle hat Ihre Zeit in Hof für Ihre spätere Karriere gespielt? Sind die Chancen hier größer als die Hofer selbst meinen?
Letzteres scheint mir so. Es hängt doch auch viel von uns Bürgern und Bürgerinnen ab. Wir können uns einmischen, Unternehmen gründen, kulturell aktiv und kreativ wie schließlich auch solidarisch sein. Dies ist nicht nur praktizierte Zivilgesellschaft, sondern kann auch Regierende wie Stadtverwaltung in Hof beflügeln.
Haben Sie über die Jahre unterwegs in der Welt auch weiter Kontakte mit Hofern gepflegt?
Na klar. Einige meiner besten Freunde leben hier. In den letzten fünf Jahren waren wir immer wieder in Hof. Die Corona-Zeit haben wir größtenteils in meinem Elternhaus verbracht. Das war freier und angenehmer als in unserer Wahlheimat Berlin. Jetzt sind wir gespannt auf das erneute Leben in Hof.
Wenn Sie Hof mit Ihrem heutigen Wohnort vergleichen, was vermissen Sie? Und in welchem Bereich schneidet Ihre jetzige Region besser ab?
Naja, zunächst hat eine Stadt wie Hof keine guten Karten im Vergleich mit Berlin, der wohl spannendsten Stadt Deutschlands. Aber auf den zweiten Blick zeigen sich auch Hofer Vorzüge: weniger Stress, kurze Wege, eine vermutlich bessere Verwaltung, wunderbare Landgasthöfe oder Schwimmen im Untreusee. Nichts davon kann Berlin bieten. Und: Berlin ist nicht aus der Welt, wenn es doch zu ruhig in Hof wird!
Wie kam es, dass Sie bald wieder fest in Hof leben werden?
Wir haben lange überlegt, ob wir in Berlin bleiben oder in unsere zweite Wahlheimat Heidelberg zurückkehren. Dennoch fiel, fast überraschend, die Wahl auf Hof. Rational lässt sich das kaum erklären. Das muss wohl Heimat sein.
Die Fragen stellte Manfred Köhler

