Katharina Lipp ist Beamtin im Wasserwirtschaftsamt und beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Wasser. In Hof hat sie wildes Grün und neue Wege für sich entdeckt.
Wildkräuter mitten in Hof? Auch noch in der Auguststraße? Wer die eher unscheinbare Straße in der Nähe des Rathauses kennt, fragt sich vielleicht, wo hier Kräuter zu finden sein sollen. Demnächst will die 44-Jährige, die seit sieben Jahren in Hof wohnt, dort eine kleine Führung anbieten. „Brennnessel und Löwenzahn gibt es überall, aber in der Stadt eben auch das Ferkelkraut, das sicher nicht so viele kennen“, sagt Katharina Lipp mit einem verschmitzten Lächeln. Die Ritzen und Fugen an Häusern und auf der Straße seien ein Refugium dafür.
Aber auch viele andere Arten kennt die zertifizierte Kräuterführerin, sammelt und verarbeitet sie – nicht solche von der Straße natürlich – zu Produkten der „grünen Hausapotheke“. Der Erkältungsschreck helfe zum Beispiel „wenn man ihn schon beim ersten Halskratzen anwendet“, wie sie aus eigener Erfahrung weiß. An kleinen Ständen wie bei HofHaltig, dem Hofer Herbstmarkt, oder dem Kreisgartentag kann man ihre Erzeugnisse entdecken. Inzwischen bietet sie auch Fastenkurse an. Dafür kocht sie jeden Tag eine frische Gemüsebrühe nach Rezepten von Hildegard von Bingen, der kräuterkundigen Benediktinernonne des Mittelalters.
Wie kam Katharina Lipp dazu? Die gebürtige Straubingerin hat Umweltsicherung studiert und sich intensiv mit dem Thema Schwammstadt befasst (die Fähigkeit einer Stadt, ein Zuviel an Wasser aufzusaugen und dieses wie ein „Schwamm“ zu speichern). Außerdem hat die zweifache Mutter die Gruppe „Parents für future“ in Hof mitgegründet und vor Kurzem noch eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizhelferin gemacht.
Die Natur sei ihr schon immer wichtig gewesen, unterstreicht sie. Doch es war nicht nur das. „Vor einiger Zeit bin ich in eine tiefe Lebenskrise geraten“, erzählt Lipp. Sie habe schwere Depressionen gehabt. In der Klinik sagte ein Psychologe zu ihr: „Wenn Sie nichts an Ihrem Leben ändern, sind Sie in einem Jahr wieder hier.“ Das war deutlich.
„Ich wollte dann erst
mal weg.“
„Ich wollte dann erst mal weg.“ Ihr kam die Idee, den Jakobsweg in Spanien zu laufen, doch da es gerade Sommer und zu heiß dafür war, entschied sie sich für den Olavsweg in Norwegen. Erst habe sie viel zu viel Gepäck mit rumgeschleppt – tatsächlich und im übertragenen Sinne. „Der ganze Ballast war ein Symbol für den seelischen Ballast in meinem Leben“, sagt sie heute in der Rückschau. Aber sie habe auf der Tour nach und nach gelernt, auf sich zu hören.
Alle sechs Tage habe sie schließlich eine Pause eingelegt. „Im Alltag ignoriert man das“, sagt sie, „aber ich habe erlebt: Ich kann auf mich vertrauen.“ Diese gute Erfahrung möchte Katharina Lipp jetzt auch anderen vermitteln. Demnächst will sie gemeinsames Pilgern auf dem Jakobsweg von Hof bis Nürnberg anbieten. Ihr Plan ist, alles zu organisieren, inklusive Übernachtungen in den Orten, in denen es keine Pilgerherbergen gibt. Zu ihrem Konzept gehört es, dass die Gruppe die Möglichkeit habe, sich beim gemeinsamen Frühstück und dem Abendessen austauschen.
Die Strecke solle aber jeder Teilnehmende eher allein gehen, um sich auf sich selbst konzentrieren zu können – so wie sie es auf dem Olavsweg in Norwegen gemacht hat. Ihr Leben hat Katharina Lipp seitdem gründlich umgekrempelt. Claudia Schott
Weitere Infos:
www.wildkraeuter-seelenpfade.de
Rezeptidee mit Gundermann
(Gundelrebe)
Man braucht dafür Gundermann mit längerem Stängel. Dann Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und den Gundermann am Stängel durch die Schokolade ziehen. Zum Trocknen auf Backpapier legen.

