Heike Krügel, Psychologin bei der Diakonie Hochfranken, weiß: Beratung kann helfen, wenn man Menschen in seinem Umfeld nicht mit Problemen belasten will – oder wenn man sich umgekehrt um einen Angehörigen oder eine Freundin Sorgen macht.
„Ein Gespräch bietet Entlastung, egal ob es um einen selbst oder einen nahestehenden Menschen geht“, ist Heike Krügel überzeugt. Mit jemanden vertrauensvoll sprechen zu können sei ein großer Vorteil zum Beispiel der Psychosozialen Suchtberatungsstelle. „Wir bieten professionelle Hilfe, ohne zu bewerten.“
Krügel könnte als klinische Psychologin in einer Klink arbeiten und zum Beispiel Diagnosen stellen; ihr ist also nichts Menschliches fremd. Gute Voraussetzungen für ihre Tätigkeit in der Suchtberatung.
Wer würde beim Thema Sucht gleich an Essstörungen oder Kaufsucht denken? Auch übermäßiges Zocken an Computer oder Handy zählen dazu – ebenso wie die Abhängigkeit von Nikotin oder Medikamenten. „In letzter Zeit hat der Konsum von Vapes oder E-Zigaretten zugenommen“, sagt Heike Krügel. Sie sind vor allem für Kinder und Jugendliche gefährlich, da sie in der Regel Nikotin oder – in sogenannten Liquids – synthetische Cannabinoide enthalten. Beide Substanzen machen süchtig und Cannabinoide wirken oft sogar stärker als Cannabis. Cannabinoide können zu Herz-Kreislauf-Problemen, Übelkeit und Bewusstseinsstörungen führen.
Aber kommt deshalb jemand in eine Beratungsstelle? Man könne sich auch telefonisch und anonym beraten lassen oder online an das Team des Portals „Digisucht“ wenden. Hinter dieser digitalen Suchtberatung stehen stets Profis, in diesem Fall der Diakonie. Auch ein reines Informationsgespräch am Telefon sei möglich, bei dem es zunächst einmal nur darum gehe, was man tun und wohin man sich möglicherweise noch wenden kann. Hilfe gibt es nicht nur in Hof, sondern auch an mehreren Standorten im Landkreis. Wer sich selbst bei der Suchtberatung meldet, müsse sich jedenfalls keine Sorgen machen, es bestehe Schweigepflicht. Aber Krügel weiß auch: „Der erste Schritt ist der Schwerste.“
Kontrollverlust
Muss man eigentlich gleich zur Beratung, nur weil man raucht oder regelmäßig Alkohol trinkt? „Gefährlich wird es, wenn man die Kontrolle verliert und gar nicht realisiert, dass es immer mehr wird“, erklärt Heike Krügel. Das könne sich mit der Zeit einschleichen. „Manche brauchen auch einen gewissen Alkohol-Pegel, um überhaupt im Alltag bestehen zu können“, weiß sie. Und für viele gehörten Alkohol und Rauchen ganz selbstverständlich zusammen, ohne dass sie sich darüber Gedanken machen.
Und wie ist das mit Essstörungen? Essen muss ja schließlich jeder. Es gebe da keinen großen Unterschied zu anderen Abhängigkeiten, sagt die erfahrene Beraterin. Man merke häufig sehr spät, dass mit dem eigenen Umgang etwas nicht stimmt. „Jemand muss übrigens nicht übergewichtig oder mager sein, um unter einer Essstörung zu leiden.“ Es gebe da keine „Schubladen“, in die man Menschen stecken kann: Bei jedem könne sich eine Sucht anders darstellen. Gut, wenn auch das Umfeld aufmerksam ist – und sich lieber einmal mehr an Heike Krügel und ihre Kollegen wendet. Auch wenn der erste Schritt schwerfällt. Claudia Schott
Mehr Informationen
Die Suchtberatung der Diakonie Hochfranken gibt es in Hof, Naila, Rehau und Münchberg (außerdem in Marktredwitz und Selb). Die Anmeldung erfolgt für Hof und die Außenstellen unter Telefon 09281 160710 100. E-Mail: suchtberatung@diakonie-hochfranken.de
Zum online-Portal Digisucht kommt man unter https://www.suchtberatung.digital/

