Das Hofer Land bietet alle Chancen, die nötig sind, um auch überregional Karriere zu machen. Das zeigen immer wieder die Lebensläufe von Hofern, die in die Welt hinausziehen und in wichtige Positionen aufsteigen. Aber wie haben sie das, rückwirkend betrachtet, eigentlich geschafft? Und wie stark ist bei aller räumlichen Distanz die Bindung zu ihrer Hofer Heimat geblieben?
Eine besonders beeindruckende Karriere ist Peter Küspert gelungen. Der gebürtige Hofer des Jahrgangs 1955 hat es als Jurist unter anderem zum Präsidenten des Oberlandesgerichts München und des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes gebracht. Inzwischen ist er im Ruhestand, arbeitet aber weiterhin ehrenamtlich unter anderem in den Universitätsräten in Regensburg und München, im Kuratorium der Evangelischen Akademie Tutzing oder in Regierungskommissionen.
Erfahrungen gesammelt
Geplant war all das nicht. Um voranzukommen im Leben hält Peter Küspert anstelle von Zielsetzung eine gewisse Mobilität und Flexibilität für unabdingbar. So führte sein Weg nach dem Studium ihn unter anderem nach Bonn, Nürnberg, Regensburg und München, wo er in der Gesetzgebung arbeitete, dann als Staatsanwalt, Zivilrichter, im Oberlandesgericht, im Ministerium und als Landgerichtspräsident. „Dabei habe ich breite Erfahrungen gesammelt, um weitere wichtige Ämter ausfüllen zu können“, erzählt er.
So sei er als Leiter des Gerichtsbezirks München später für acht Millionen Menschen und 50 Gerichte verantwortlich gewesen. Als Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes kam dann eine weitere Dimension hinzu, nämlich die des Hüters der Verfassung im Grenzbereich von Politik und Recht einschließlich der Prüfung der Gesetzgebung des Landtages auf Verfassungsmäßigkeit. Die Entscheidungen damals hätten umfassende Auswirkungen gehabt, zum Beispiel bei der Prüfung, ob das inzwischen wieder abgeschaffte achtjährige Gymnasium mit der Bayerischen Verfassung vereinbar war. „Das Ergebnis lautete zwar ja, aber damit war nicht entschieden, ob es sich auch um eine zweckmäßige Schulform handelte“, stellt er fest.
Egal in welcher Position und an welchem Ort er Recht gesprochen habe, eines habe immer gegolten: „Richterliche Entscheidungen greifen oft stark in das Leben von anderen Menschen ein.“ Eine seiner Leitlinien dabei sei es in Strafsachen immer gewesen, die Strafe strikt von der Schuld des Täters abhängig zu machen. In dieser Hinsicht hatte Peter Küspert immer wieder auch hochdramatische Fälle zu entscheiden, zum Beispiel am Anfang seiner Laufbahn als Richter eines jungen Mannes, der einer Freundin bei einer Mutprobe drei Finger abhackte. Aber so schlimm die Folgen für ein Opfer auch seien – Mitleid dürfe nicht dazu führen, dass die Strafe anders als der Schuld angemessen ausfalle.
Nach Regensburg
Im Privatleben stand für Peter Küspert immer die Familie im Mittelpunkt. Gemeinsam ging es am Anfang der Karriere in die damalige Bundeshauptstadt Bonn, wo man dann einige Jahre in Bad Godesberg lebte. Später wurde Regensburg zum Lebensmittelpunkt der Familie. „Ich selbst hatte einige Jahre im bayerischen Oberland eine kleine Wohnung und bin ansonsten viel gependelt“, berichtet Peter Küspert davon, wie er seinen Einsatz an vielen verschiedenen Orten bewältigte.
Ehrenämter
Sehr viel ruhiger ist es im Ruhestand nicht geworden: „Ganz oben stehen immer die Familie und Freunde, daneben bin ich mit vielen Ehrenämtern gut beschäftigt.“ Neben den Universitätsräten in Regensburg und München, dem Vorsitz im Kuratorium der Evangelischen Akademie Tutzing und der Mitarbeit in Vereinen und Stiftungen halte er immer wieder Vorträge und bediene außerdem eine regelmäßige Kolumne in den Nürnberger Nachrichten. In den letzten Jahren arbeitete er zudem in österreichischen Regierungskommissionen mit und leitete zuletzt im Auftrag des Justizministeriums die sogenannte Gablingen-Kommission.
Rechtsfrieden
Gibt es da überhaupt etwas, das er an den einstigen Funktionen des Berufslebens noch vermisst? Die Antwort fällt knapp aus: „Als Richter unabhängig und nur nach Gesetz, Recht und Verfassung zu entscheiden und so immer wieder zum Rechtsfrieden beizutragen, hat mich immer begeistert.“ Manfred Köhler
Glückliche Kindheit in Hof
Welche Kindheits- und Jugenderinnerungen an Hof sind Ihnen besonders wichtig?
Eine glückliche Kindheit in Krötenbruck, später im Münsterviertel, Ski- und Schlittenfahren am Bismarckturm, Tennis am Theresienstein, Ferienarbeit in der Scherdelbrauerei, Tanzstunden in der Bürgergesellschaft, Bayern Hof mit Bobby Breuer.
Welche Rolle hat Ihre Zeit in Hof für Ihre spätere Karriere gespielt? Sind die Chancen hier größer als die Hofer selbst meinen?
Natürlich wird man geprägt, in meinem Fall vielleicht durch die Jugendarbeit in der Christuskirche oder als Schulsprecher im Schiller-Gymnasium, das uns im übrigen hervorragend ausgebildet hat. Von der auch in Hof spürbaren fränkischen Abneigung gegen Übertreibung und Pathos darf man aber nicht auf mangelndes Selbstbewusstsein schließen.
Pflegen Sie heute noch Kontakte mit Hofern? Wie regelmäßig kommen Sie in die alte Heimat?
Ich bin meiner Geburtsstadt nach wie vor sehr verbunden, schon weil mein Bruder mit seiner Familie in Hof wohnt. Ich habe auch immer wieder einmal Vorträge gehalten und war zuletzt zu unserem 50-jährigen Abiturjubiläum letzten Herbst da. Eine besondere Ehre war die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt vor zehn Jahren.
Wenn Sie Hof mit Ihrem heutigen Wohnort vergleichen, was vermissen Sie? Und in welchem Bereich schneidet Ihre jetzige Region besser ab?
Den Wärschtlamo und die Hofer Filmtage, beides in dieser Form einmalig! Regensburg ist dafür mit seiner wunderschönen Altstadt Weltkulturerbe und durch die Uni eine junge, lebendige Stadt.
Wie würden Sie für Hof werben, wenn es darum ginge, jemanden für einen Besuch zu begeistern?
Ich habe mich immer gefreut, wenn ich gehört habe, wie in meiner Geburtsstadt wieder etwas Neues und Zukunftsträchtiges entstanden ist, vom Untreusee, der Hochschule bis zu Theater und Freiheitshalle. Und natürlich habe ich bei der Grenzöffnung besonders mitgefiebert und sobald wie möglich die neuen und offenen Wege ausprobiert, die ich von früher nur als Sackgassen kannte. Meine Beziehung zu meiner Heimatstadt war früher nicht und ist auch heute nicht neutral. Ich verteidige Hof leidenschaftlich, wenn jemand im Gespräch leicht überheblich von Randlage und Provinz schwadroniert.
Könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, wieder in Hof zu leben? Was wäre dafür entscheidend?
„Zurück zu den Wurzeln“ funktioniert vielleicht im Film, nicht aber im wirklichen Leben. Die Stadt und die Menschen der Kindheit und Jugend sind nicht mehr dieselben. Man kann also nicht einfach an die Zeit vor 50 Jahren anknüpfen, zumal sich auch die eigene seitherige Biographie und soziale Bindungen nicht einfach wegwischen lassen.
Die Fragen stellte Manfred Köhler

