Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht kennen Sie diese seltenen Momente, die sich ganz unverhofft in das eigene Gedächtnis brennen – kleine Sternstunden, die uns noch lange begleiten. Einen solchen Moment hatte ich neulich bei einem Aufenthalt auf dem Schwanberg bei Würzburg.
Beim Abendspaziergang durch den stillen Winterwald öffnete sich zwischen den kahlen Ästen plötzlich der Blick auf ein Städtchen am Fuße des Schwanbergs. Der Ort lag unter mir wie ein glitzerndes Netz aus kleinen Lichtpunkten in der Abenddunkelheit. Kein starres Leuchten, eher ein lebendiges Pulsieren – als hätte jede Straße, jedes Haus, jeder Mensch ein eigenes Funkeln beigesteuert.
Auch wir in Hof haben diese Aussichtspunkte, von denen man weiter sieht: Den Rathausturm mit Blick auf die Innenstadt, das „Labyrinth“ im Theresienstein oder den Sonnentempel am Philosophenweg, wo sich Sonnenuntergang und Stadtlichter begegnen. Wenn Hof leuchtet, dann so, dass man fast spürt, wie viel Leben in dieser Stadt steckt. Ein Satz aus dem Herzensbuch der Christenheit spricht in diese Glanzlichter unserer Stadt hinein: „Ihr seid das Licht für die Welt.“ (Matthäus 5,14)
Oft wird dieser Satz so verstanden, als müssten wir alle möglichst hell, vorbildlich und unfehlbar strahlen. Aber ich glaube inzwischen: Jesus meinte etwas viel Bodenständigeres – und zugleich etwas Befreiendes. Im Griechischen steht da ein Wort, das man auch übersetzen könnte mit: „Ihr seid das, woran man sich orientieren kann, wenn es dunkel wird.“ Nicht das Flutlicht. Nicht die Party-Beleuchtung. Eher Laternen am Weg, die genug Licht geben, damit man die nächste Kurve erkennt. Oder Lichter in Fenstern, die zeigen: Hier ist jemand. Du bist nicht allein. Diese Deutung macht die Lichtmetaphorik ungeheuer menschlich – und unglaublich zeitgemäß. Denn niemand muss grell scheinen, um bedeutsam zu leuchten.
Wenn ich sehe, welche Glanzlichter unsere Stadt im vergangenen Jahr bereithielt, dann zeigt sich: Viele von Ihnen tun genau das – bedeutsam leuchten. Bei den Interkulturellen Wochen haben Menschen aus verschiedenen Lebenswelten zusammen gefeiert, gekocht, getanzt – ein Leuchten der Vielfalt mitten in der Stadt. Aktionen wie Einfach heiraten oder die Pop-up Church mit sinnlicher Musik auf dem Hofer Friedhof ließen einen Funken Segen ganz nah bei den Menschen aufflackern. Das Spielplatzfest der kleinen Helden oder der Weltkindertag im Wittelsbacher Park, der Maus-Türöffner-Tag, die Kinder-Uni u.v.m. haben Familien und viele Ehrenamtliche zusammengebracht – ein fröhliches Lichtspiel für die ganze Stadt. Bei Lichtspiel denken wir natürlich auch an die Internationalen Hofer Filmtage – ein absolutes Highlight! Und beim Hofer Volksfest wurde spürbar, wie Tradition und geselliges Miteinander sich gegenseitig zum Strahlen bringen können. Die Liste der tollen Aktionen, Höhepunkte und des umfassenden ehrenamtlichen Engagements für die Stadtgesellschaft, für Kunst, Kultur, Bildung, Glaube und Miteinander ließe sich noch lange fort führen… All das sind Lichter. Nicht laut. Aber wirkungsvoll. Und Ihr eigenes Licht gehört dazu – ob Sie es bewusst spüren oder nur dunkel (oder hell) erahnen.
Vielleicht ist das die Einladung für 2026: Nicht unbedingt greller werden. Sondern wahrnehmbarer. Nicht um jeden Preis strahlen müssen. Sondern sichtbar sein, da, wo Sie stehen. Nicht das perfekte Licht. Sondern das eigene, das echte. Ich wünsche Ihnen ein neues Jahr voller solcher Momente: In denen Sie Ihr Licht entdecken. In denen Sie das Leuchten anderer aufmerksam wahrnehmen. Und in denen Sie – vielleicht auf einem unserer schönen Aussichtspunkte über Hof – für einen Augenblick erkennen, dass wir gemeinsam ein Bild formen, das größer ist als wir selbst Ihre Pfarrerin Nicola Aller
