Manche Dinge ändern sich nie. „Die fränggischa Sprooch“, antwortet Harry Tröger auf die Frage nach Konstanten in seinem künstlerischen Schaffen. Tröger, als „musikalischer Tausendsassa“ bereits 2022 zum Künstler der Metropolregion Nürnberg gekürt, bekam kürzlich auch den Kunstpreis des Landkreises Hof verliehen. Zeit, zurückzublicken auf eine Karriere, die so nie geplant war.
Dass er den elterlichen Bauernhof nicht übernehmen möchte, war Harry Tröger beizeiten klar: „Ein wunderschöner Job, der höchsten Respekt verdient – aber nicht meine Welt.“ Also ging’s auf den Bau. Von der Zimmermann-Lehre profitiert Tröger noch heute: „Die hatte den Vorteil, dass ich mir mein Haus selbst bauen konnte.“ Was ihm am Bau außerdem immer zugesagt hat, war „des bleeda G‘waaf“ – weil es eben „ka bleeds bleeds G‘waaf“ war, sondern „a scheens bleeds G‘waaf“. Von eben jenem „Gewaaf“ lebt Trögers Kunst bis heute: vom Beobachten, Zuhören, Adaptieren und, wie er es nennt, „durch den Sprachwolf drehen“.
„Manchmal reicht schon ein einzelnes, besonders Wort mit einem guten phonetischen Klang für ein Lied“, weiß der Sprach-Fan, der festgestellt hat, dass der Dialekt sich verändert, wenn die Welt durch moderne Technik ständig kleiner wird. „Wenn man in den 80er Jahren in Presseck im Wirtshaus den Alten zugehört hat – da hätte man manchmal einen Dolmetscher gebraucht. Da geht leider vieles verloren.“
Parallel zu seiner Arbeit als Zimmermann probte der Hobby-Musiker Ende der 70er Jahre mit seiner Band Waldschrat im Glaswoll-Lager eines Baugeschäfts – heutzutage gesundheitlich bedenklich, damals „akustisch hervorragend“. 1979 hatte Waldschrat, heute gerne „Kultband“ genannt und bei Jung und Alt bekannt, den ersten offiziellen Auftritt. Nebenbei hat Harry Tröger auch Tanzmusik gemacht. Mitte der 80er gab er schließlich den Job auf dem Bau auf und schulte zum Tontechniker um.
„Ich habe das Glück, dass ich von den Dingen, an denen ich Spaß habe, leben kann“, sagt Tröger. Und das ist, neben der Tontechnik und gelegentlichen Auftritten mit Waldschrat oder den Frankorigines, eine ganze Menge. Trögers aktuelles Lieblingsprojekt ist die Vertonung Oberfränkischer Sagen gemeinsam mit Ralf Wunschelmeier, mit denen er in den vergangenen zwei Jahren mit Akustik-Gitarre, Akkordeon und Cajon auf Tour war, und die ab Februar als szenische Aufführung auf der Studio-Bühne des Hofer Theaters zu sehen sein wird.
Auch hier wird dem fränkischen Dialekt gehuldigt und alles Mögliche durch den „Sprachwolf“ gedreht. Vor der Umsetzung war Harry Tröger schon 20 Jahre mit der Idee, Sagen zu vertonen, schwanger gegangen. Und 2021, im Corona-Jahr, war plötzlich Zeit, und die Sagen fanden den Weg aus der Ideen-Kiste auf die Bühne.
Jene Kiste gibt es übrigens wirklich. Dort finden sich – je nachdem, was gerade zur Hand war – unzählige Bierfilze, Schmierzettel oder Kassenbelege, auf denen Stichworte oder Ideen notiert sind. „Alle paar Jahre schaue ich mal rein“, verrät Tröger. Bei etlichem denke er sich „oh, das ist ja grottenschlecht“ – und manchmal eben auch „ach, des is‘ ja schee“…
Neben den Konstanten „Sprache“ und „Dialekt“ fällt Harry Tröger beim Rückblick auf sein langes Künstlerdasein auch vieles auf, was heute anders ist als früher. Nicht nur sei die Tontechnik heute viel komplexer als in den 80er Jahren. „Geändert hat sich auch die Qualität der jungen Leute, für die ich heute als Tontechniker arbeiten darf.“ Das gelte sowohl für die klassischen Ausbildungswege für Musiker als auch für jene, die sich Dinge selbst beibringen. „Die sind zum Teil abartig gut.“ Während Tröger und seine Kumpels früher darauf angewiesen waren, Stücke, die sie nachspielen wollten, selbst „rauszuhören“, werde heute jedes Stück ausgiebig auf YouTube zerpflückt „Das macht’s schon einfacher.“
Einfach sei es heutzutage auch, Musik zu produzieren. Statt früher sehr teurer Spezialprogramme reichten heute ein Laptop und ein Mikrofon aus, um etwas auf die Beine zu stellen. Doch die Sache hat einen Nachteil: „Dadurch, dass es jeder machen kann, gibt es einen riesigen Ozean an guter Musik. Für junge Musiker ist es nicht einfach, sich da zu behaupten. Und Spotify ist kein Verkaufsmodell für kleine Bands.“
Gut, wenn man bereits auf eine lange Karriere im Geschäft zurückblicken kann… Harry Tröger sieht diesen Weg mit Dankbarkeit und betont: „Das würde alles nicht gehen, wenn ich nicht so wunderbare Leute hätte, mit denen ich zusammenspielen darf. Und auch so wunderbare Kunden und Veranstalter. Es geht nur miteinander – ohne die anderen wäre ich gar nichts.“ Sandra Langer
Foto: Kathrin Rothemund

