In einer Welt, in der Konsum und Schnelllebigkeit oft den Alltag bestimmen, gibt es einen erfreulichen Trend zurück zu den Wurzeln: das Tauschen. Was einst eine Selbstverständlichkeit war, gerät zunehmend in Vergessenheit, während wir uns an die Bequemlichkeit des Neuen gewöhnen. Doch im Hofer Land haben sich einige engagierte Menschen zusammengefunden, um dem entgegenzuwirken und ein Zeichen für Nachhaltigkeit zu setzen.
Im Jahr 2011 gründeten Anne Oertel und Markus Schöfthaler den Tauschring Hof – ein regionales Netzwerk, das Nachbarschaftshilfe in den Mittelpunkt stellt. Hier können Mitglieder ihre Fähigkeiten und Ressourcen austauschen, sei es durch Gartenarbeit, das Backen von Kuchen, Reparaturen oder das Verleihen von Gegenständen. Die Vielfalt der Tauschgeschäfte ist ebenso bunt wie die Mitglieder selbst.
150 Mitglieder
Die Vorteile eines Tauschrings sind vielfältig: Mitglieder sparen nicht nur Geld und Ressourcen, sondern lernen auch schnell neue Menschen kennen. Oft entstehen aus diesen Begegnungen echte Freundschaften. Zudem ermöglicht der Tauschring den Zugang zu Dingen, die man normalerweise nicht kaufen kann – sei es eine helfende Hand beim Einkaufen oder einfach jemand, der zuhört. Mit etwa 150 Mitgliedern hat der Tauschring Hof in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Markus Schöfthaler erklärt im Interview: „Unsere Intention ist es, uns gegenseitig ohne finanzielle Mittel zu unterstützen und gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes zu tun. Wenn ich mir kein neues Laminiergerät kaufen muss, sondern eines leihen kann, schont das sowohl meinen Geldbeutel als auch unseren Planeten.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die soziale Komponente. Die Mitglieder kommen regelmäßig zu Treffen zusammen, die einmal im Monat an wechselnden Orten in Hof stattfinden. Hier wird nicht nur getauscht, sondern auch geplaudert und sich auf dem Laufenden gehalten. Jeder ist bei den Treffen des Tauschrings gern gesehen. Anja Naumann, die unter anderem für die Internetseite des Tauschrings zuständig ist, betont: „Viele kennen sich bereits seit Jahren. Man weiß, wer welche Fähigkeiten hat und geht direkt auf die Person mit einem Tauschangebot zu.“
Zweitwährung
Obwohl Geld im Tauschring keine Rolle spielt, gibt es eine imaginäre Zeitwährung: die „Schlappen“. Jedes neue Mitglied startet mit einem Kontostand von 80 Schlappen, was etwa vier Zeitstunden entspricht. Ob man für 20 Schlappen eine Stunde Rasen mäht, eine Kaffeemaschine repariert oder mit dem Hund mal Gassi geht, ist egal. Jede Tätigkeit ist gleich viel wert und wird in derselben Anzahl von Schlappen gewertet. Markus und Anja betonen jedoch, dass viele Tauschgeschäfte mittlerweile auf einer vertrauensvollen Basis ohne den Austausch von Schlappen stattfinden. Manchmal kommen auch einzigartige Tauschgeschäfte zustande. Markus erinnert sich: „Ich habe mal jemanden gefunden, der mir ein großes Glas Schrauben nach Größe und Länge sortiert hat. Dafür hatte ich keine Geduld. Mein Tauschpartner hat das mit Leidenschaft gemacht und ich hab mich über die sortierten Schrauben gefreut.“
Das Organisationsteam, bestehend aus vier engagierten Mitgliedern, kümmert sich um die Pflege der Internetseite und die Planung der monatlichen Treffen. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Je mehr Menschen sich am Tauschring beteiligen, desto besser können wir uns gegenseitig helfen und Ressourcen einsparen“, so Markus Schöfthaler.
Der Tauschring Hof ist nicht nur eine Plattform des Austauschs, sondern auch ein Raum für kreative Ideen und gemeinschaftliche Projekte. Ob Workshops, gemeinsame Ausflüge oder saisonale Feste – die Mitglieder gestalten aktiv das Leben im Tauschring und fördern so ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Es findet zum Beispiel auch jedes Jahr eine Saatgut- und eine Pflanzentauschbörse statt, da sich unter den Mitgliedern viele leidenschaftliche Gärtner befinden. Wer mehr über den Tauschring Hof erfahren möchte, kann sich auf der Webseite www.tauschring-hof.de informieren.
Michaela Spindler
Foto: Michaela Spindler

