Der Hofer Stadtbaurat Gottlob Thomas hatte sich mit seinen Bauten einen Ruf erworben, der weit über die Stadtgrenzen hinaus zu hören war. Zum 1. Januar 1883 erhielt er sogar das Ritterkreuz II. Klasse. Doch Gottlob wäre nicht Gottlob, wenn er nicht sogar seinen gesetzlichen Pensionsanspruch nach hinten geschoben hätte: Erst mit nahezu 74 Jahren, am 1. Juni 1899, trat er in den Ruhestand. „Keine Arbeit ist mein Tod“, sagte er immer.
Nur wenige Menschen, nämlich rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, erlebten zu Gottlobs Zeiten das Pensionsalter von damals 70 Jahren. Erst mit diesem Hinweis freut man sich so richtig mit Gottlob, dass er den 70. Geburtstag im Kreise der Familie feiern durfte. Und auch noch mit 74 Jahren als Pensionär blieb er umtriebig – er war ja noch Vorstand des Verschönerungsvereins. Und es stand das 25. Vereinsjubiläum an! Auf der Vereinsversammlung am 3. März 1900 hielt Gottlob eine bemerkenswerte Rede, die seine letzte sein sollte: „War es mir schon immer ein Vergnügen, Mitglieder des Verschönerungsvereins in gewohnter Einmütigkeit und friedlichem Sinn beisammen zu sehen, so kann ich heute mit noch größerer Freude die geehrte Versammlung begrüßen, indem ich kundgeben kann, dass das vergangene Jahr für den Verein ein reich gesegnetes gewesen war. Es steht der Verein an der Schwelle eines neuen Zeitabschnittes und es ist hocherfreulich, dass derselbe durch so reiche Gaben markiert ist. Viele stehen dem Verein noch fern; mögen sie sich durch Betrachtung der Erfolge einer fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit desselben und im Hinblick auf den Ruhm und die Ehre unserer Stadt und besonders auch auf das Wohl ihrer erholungsbedürftigen Bewohner angespornt fühlen, an der großen, aber lohnenden Aufgabe mitzuarbeiten, die Umgebung Hofs landschaftlich immer mehr zu verschönern und der Stadt das zu verschaffen, was andere fortgeschrittene Städte schon besitzen.“
Magenschmerzen
Kurz darauf, im April 1900, besuchte er noch bei bestem Wohlsein seinen Sohn Robert und dessen Familie in Augsburg. Dann begann er an Magenschmerzen zu leiden, die immer schlimmer wurden. Er reiste deshalb im November nach Würzburg und konsultierte den Magenarzt Professor Leube. Der konnte allerdings nur einen „Magenkatarrh“ [Magenschleimhautentzündung, Gastritis] diagnostizieren. Sohn Robert erinnerte sich in seinen handschriftlichen Memoiren von 1939: „Sein Zustand wurde immer bedenklicher; allmählich nahm auch die geistige Klarheit ab. Ohne schmerzhaftes Leiden entschlief der Vater am 6. Februar 1901, nachmittags 4 Uhr. Mild und ehrfurchtgebietend waren seine Züge noch im Tode. In dem mit Blumen und Palmen wundervoll geschmückten großen Zimmer lag die Leiche aufgebahrt; am 9. Februar bewegte sich nach der Aussegnung ein langer, langer Trauerzug hinaus zum Friedhof; hier wurde, während langsam Schneeflocken niederfielen, der Vater neben der Mutter beigesetzt; über dem Grabe erhebt sich der von ihm selbst einst entworfene, von einem Kreuz gekrönte Grabstein.
Stück Hofer Geschichte
Ein Stück Hofer Geschichte war mit dem Vater ins Grab gesunken. Was er gewesen ist, was er erlebt und errungen hat, soll seinen Nach-kommen unvergessen bleiben.“
Roland Eichhorn
