Manchmal suchen ihn die Ideen in unerwarteten Momenten auf. Und bisweilen überrascht ihn selbst, welche davon sich zu besonderen Publikumsmagneten entwickeln. Ein Spaziergang durch den Botanischen Garten mit dem verantwortlichen Gärtner Christoph Ruby.
Den Botanischen Garten? Klar, kennt jeder! Aber wussten Sie, dass es dort stolze 32 Themenschwerpunkte gibt? Dass der Bürgerbrunnen mit Wasser-Mobile heuer 30. Geburtstag feiert? Und dass so manche Attraktion ausschließlich der Spendenbereitschaft von Hofer Bürgern zu verdanken ist?

Beliebtestes Fotomotiv war, wie Christoph Ruby erzählt, heuer im Frühjahr der kleine japanische Garten neben dem Frosch-Brunnen. „Das war selbst für mich eine Überraschung. Zumal der Bereich noch gar nicht fertig angelegt ist.“ Der Gärtner hatte dort zunächst nur ausgelichtet und merkte dann: „Da geht was!“
Einen Garten anzulegen habe viel mit Intuition zu tun. „Manchmal ist es einfach ein naives Hinstolpern. Und manchmal zeigen es einem auch die Pflanzen.“ So sei es Christoph Ruby damals mit den Felsspaltengärten gegangen. Ein Löwenzahn in einer Felsspalte hat die Neugier des passionierten Gärtners geweckt, der die Dinge gerne hinterfragt: „Warum funktioniert das?“, wollte Christoph Ruby wissen, las sich immer gründlicher in das Thema ein, und legte schließlich im Jahr 2007 den Felsspaltengarten-Bereich an, der bis heute zu den Publikumsmagneten gehört.
Doch zurück zu dem japanischen Garten, der eigentlich kein japanischer Garten im Wortsinne ist, sondern einer nach japanischem Vorbild. Denn während in einem echten japanischen Garten keine Blumen blühen, waren in Hof im Frühjahr prachtvolle Rhododendren ein echter Hingucker. Zunächst suchte Christoph Ruby vor allem einen Platz für die großen Findlinge, die er schon länger eingelagert hatte, und eine Möglichkeit, effektiv das Unkraut zu verbannen. Das Moos auf den Findlingen erinnerte ihn schließlich an japanische Garten-Traditionen: „Moos steht dort für ein langes Leben.“
Nach und nach entstand schließlich der neue Bereich mit einem stilisierten „Bachlauf“ aus Kies, der bereits heuer viele Besucher begeisterte, und den Christoph Ruby in nächster Zeit noch weiterentwickeln möchte. „Es hat mich überrascht, wie interessiert die Besucher an dieser reduzierten Form der Darstellung waren.“ Auch eine japanische Steinlaterne möchte der Gärtner dort irgendwann noch installieren, doch er weiß: „Gut Ding will Weile haben.“
Möglich wurde die Umgestaltung, weil der Verschönerungsverein Botanischer Garten, Theresienstein und Hof ihm in diesem Jahr ein zusätzliches Budget von 5000 Euro zur Verfügung gestellt und gesagt habe: „Mach mal was.“ Klar, dass bei solchen Aufforderungen die Ideen sprießen wie die Knospen im Frühling… Auf ähnliche Weise entstand vor wenigen Jahren die Tuffwand in der Nähe des Seerosen-Teichs. Damals habe der Wirtschaftsförderer der Stadt bei Christoph Ruby angerufen und eine Spende eines rührigen Hofer Bürgers angekündigt. Zunächst dachte der Gärtner an verschiedene kleinere Anschaffungen, doch dann erfuhr er: Ernst-Dieter Rochon stellte sehr großzügig einen fünfstelligen Betrag für ein Projekt im Botanischen Garten zur Verfügung.
So arbeitete sich Ruby wieder einmal in ein Thema ein, das ihn zwar schon länger interessierte, über das er bis dato aber noch wenig wusste: „Mir schwebte für diese kühlste Stelle unseres Gartens eine Tuffsteinwand vor.“ Anders als auf den Findlingen im Japanischen Garten ist Moos hier nicht erwünscht – weshalb die Wand teilweise überdacht ist. Die Bewässerung erfolgt indirekt von hinten über eine Sandschicht; geziert wird die Wand unter anderem von Primelgewächsen aus dem Iran. Mittlerweile steht Ruby mit etlichen Bekannten im Austausch, die sich ebenfalls für Tuffsteinwände interessieren, und ist stets auf der Suche nach weiteren seltenen geeigneten Pflanzen.
Den Brunnen mit dem Wasser-Mobile des Regensburger Künstlers und Malers Jörg Schemmann am Seerosen-Teich hat vor genau 30 Jahren der Verein ProHof, ebenfalls Fan und Gönner des Botanischen Gartens, gestiftet. Der „Kinetische Brunnen“ besteht aus vier Gefäßen, die sich – scheinbar gegen die Gesetze der Physik – ohne Antrieb dennoch ständig bewegen und sorgte damals für großes Aufsehen.
Das alte Landesgartenschau-Motto „Hof – Tor zum Park und Fenster zur Botanik“ greift Christoph Ruby in seinem Schaffen immer wieder auf und weiß. „Ein Garten lebt von Unterbrechungen, vom Rhythmus und vom Wechsel.“ Manchmal staune er selbst, wie über die Jahre so ein Kleinod entstehen konnte. Und stets plant er dabei sowohl kurzfristig – unter Berücksichtigung finanzieller Gegebenheiten und so, dass möglichst wenig Nacharbeit und Pflege nötig ist – als auch extrem langfristig.
Bestes Beispiel dafür ist die alte Weide am Goldfisch-Teich. Unwissend, wie lange diese noch hält, haben Ruby und sein Team schon vor 20 Jahren für eine Ersatzpflanzung gesorgt. Damals bekam eine Buche, die zuvor in einem Betonkübel an der Freiheitshalle stand, unweit der Weide eine neue Heimat. Die Weide steht noch immer – doch auch die Buche ist mittlerweile ein stattlicher Baum, bereit zum neuen „Hauptakteur“ in diesem Bereich zu werden. Vor einigen Jahren habe man zwar den Entschluss getroffen, die Weide zu erhalten, doch sie stehe unter Beobachtung und müsse regelmäßig kontrolliert werden. „Eine Entwarnung für die Weide gibt es deshalb nicht.“ Und natürlich hat Christoph Ruby bereits Pläne im Hinterkopf, wie man das Areal weiterentwickeln könnte, wenn die Weide eines Tages weichen muss.
Sein größter Wunsch: Das 100-jährige Jubiläum des Botanischen Gartens 2029 noch mit gestalten zu dürfen. Bis dahin wird der leidenschaftliche Gärtner sicher noch über viele Ideen stolpern… Sandra Langer
Mehr Informationen
Der Verschönerungsverein Botanischer Garten, Theresienstein und Hof hat es sich zur Aufgabe gemacht, das grüne Paradies am Rande von Hof zu erhalten und beispielsweise dort zu unterstützen, wo öffentliche Mittel nicht ausreichen. Infos sowie Möglichkeiten zum Spenden gibt’s unter www.botanischer-garten-hof.de.
Bild oben: Christoph Ruby vor der Tuffsteinwand, die Dank einer großzügigen Spende von Ernst-Dieter Rochon realisiert werden konnte.
Fotos: Sandra Langer, Christoph Ruby

