Anno 1871 war der Krieg vorbei, Deutschland geeinigt, ein Kaiser ausgerufen und Friede eingekehrt: Der Hofer Stadtbaurat Gottlob Thomas konnte loslegen! Er begann sein „großes Werk der Belebung des Landschaftsbildes“. Gottlob wollte den in den Fabriken arbeitenden Menschen zu ihrer Erholung eine grüne Parklandschaft bieten. Und wer könnte das besser als er? In seiner Funktion als Chef des neu geschaffenen Grünflächenamts konzipierte er ein farbenfrohes Teppichbeet unterhalb des Wirtschaftsgebäudes für die Spaziergänger. Bis zu seiner Pensionierung entwarf er jedes Jahr das Blumenmuster dafür höchstpersönlich.
Wenn man möchte, war ein Junge mit seiner Gans die Ursache, dass der Verschönerungsverein entstand. Aus dem überstreckten Hals der Gans, die der Bub umklammerte, stieg 1875 ein 10 Meter hoher Wasserstrahl empor. Die beiden bildeten eine Skulptur, die einen Springbrunnen schmückte. Die Skulptur ist heute nicht mehr erhalten. Zur Landesgartenschau 1994 entstand eine neue mit dem Titel „Pan mit Nymphen“.
Doch zurück zum Original. Für Skulptur, Brunnen und Teppichbeet fehlte das nötige Kleingeld – die Stadt war klamm. Gottlob trieb daher das Geld durch Spenden von Freunden des Theresiensteins auf. Nach gelungener Fertigstellung von Beet und Brunnen äußersten daraufhin viele den Wunsch, es möge ein Verschönerungsverein für solche Aktionen gegründet werden. Gesagt, getan: Die konstituierende Sitzung fand am 6. September 1875 statt, bei der Gottlob zum Vorsitzenden gewählt wurde.
Verschönerungsverein
Vor seiner Wahl hielt Gottlob einen Vortrag: „Inwieweit der Bau dieses Springbrunnens und die mit demselben verbundene Umwandlung des dortigen etwas verwilderten Teiles unseres Stadtparks dazu beigetragen hat, dass es möglich war, nun an die Gründung eines Verschönerungsvereins mit Erfolg zu gehen, das überlasse ich Ihrer eigenen Beurteilung, doch glaube ich, konstatieren zu müssen, dass viele Geber ihre Freude über das Werk in unzweideutiger Weise kundgeben. Und so glaube ich denn, dass das erste Beispiel größerer freiwilliger Tätigkeit als das Fundament betrachtet werden kann und muss, auf welchem sich unser heute zu gründender Verschönerungsverein aufzubauen vermag.“ Nach der Rede, die mit langanhaltendem Beifall und Hochrufen aufgenommen wurde, beschloss die Versammlung die Satzung und damit die Gründung des Verschönerungsvereins am 6. September 1875.
Übrigens: Genau zum 150-jährigen Gründungsjubiläum des Verschönerungsvereins gibt es am 6. und 7. September auf dem Labyrinth ein einzigartiges Bierfest wie zu alten Zeiten!
Roland Eichhorn; Verschönerungsverein Botanischer Garten, Theresienstein und Hof e.V.
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