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Frauennotruf Hof: Gewaltprävention soll schon in der Schule einsetzen

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By Redaktion on 23. Oktober 2021 Exklusiv mit Bild
Das Thema vom Frauennotruf in Hof
Das Team des Frauennotrufs Hof: Anja Kuhnlein, Sandra Hanns, Tina Schloßbauer und Daniela Czerwik (von links).
Das Team des Frauennotrufs Hof: Anja Kuhnlein, Sandra Hanns, Tina Schloßbauer und Daniela Czerwik (von links).

Im Fernseh-Krimi lauert die Gefahr gerne mal in dunklen Ecken oder zwielichtigen Spelunken. In Wahrheit jedoch begegnen vor allem Frauen ihr oft innerhalb der eigenen vier Wände. „Es beginnt mit subtilen Beleidigungen. Die Konflikte häufen sich, der Ton wird schärfer – häufig auch in Gegenwart der Kinder“, erzählt Sandra Hanns, Leiterin des Hofer Frauennotrufs. „Der erste Schlag wird oft noch entschuldigt, mit Stress oder einer Ausnahmesituation.“

Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs der Diakonie Hochfranken stehen seit 25 Jahren Mädchen und Frauen zur Seite, die seelisch oder körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht werden. Die Maßnahmen reichen von einer Erstberatung, die in manchen Fällen auch die einzige bleibt, über intensive persönliche Betreuung bis hin zur Unterbringung im Frauenhaus oder einer Schutzwohnung.


Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Frauennotrufs ist außerdem die Präventionsarbeit an Schulen. „Unser Angebot richtet sich an Schüler jeden Alters“, sagt Tina Schloßbauer. Wegen der Corona-Pandemie musste die Arbeit an den Schulen lange ruhen, doch es sei wichtig, genau hier anzusetzen: „Wir wollen potenzielle Täter davor schützen, tatsächlich zu Tätern zu werden. Und den potenziellen Opfern einen Anreiz geben, sich Hilfe zu suchen, wenn etwas nicht gut für sie ist.“ In Absprache mit den Lehrkräften wählen Schloßbauer und ihre Kolleginnen aus, welche Module des Gewaltpräventionskonzeptes mit den Schülern erarbeitet werden.


So gelte es beispielsweise zunächst den Gewaltbegriff zu klären. „Ich stelle den Schülern die Frage: Was ist für Dich schon Gewalt?“ Auch im Schulbus einem Mitschüler den Platz streitig zu machen, nur weil man selbst größer oder älter ist, sei eine Form von Gewalt. Praktische Übungen sollen die Selbstkompetenz der Schüler stärken und ihnen ein Gefühl dafür geben, wie sie sich selbst und andere schützen können. Begleitend zu dem Schülerprojekt finden Elternabende statt. „Wir informieren die Eltern nicht nur darüber, was wir in der Klasse ihrer Kinder vorhaben, sondern nutzen auch die Gelegenheit, den Frauennotruf vorzustellen“, erzählt Tina Schloßbauer. „Das ist doppelt gut für uns.“
Denn betroffene Frauen gibt es in allen Gesellschaftsschichten und Berufen. „Das ist kein Milieuproblem“, erklärt Sandra Hanns, „sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Jeden könne es treffen – Frauen, die im Beruf stehen und sich in der Arbeitswelt selbstbewusst behaupten; Paaren, von denen Außenstehende das nicht ansatzweise vermuten würden. „Die Situationen sind so verschieden wie die Menschen selbst. Und meist handelt es sich um schleichende Prozesse.“


Viele Frauen handeln erst, wenn auch die Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden oder wenn Vertrauenspersonen aus dem Umfeld aktiv werden – und können im Nachhinein selbst nicht fassen, wie ihnen so etwas passieren konnte.

Für den Frauennotruf wirbt seit einigen Wochen ein Stromhäuschen an der Ernst-Reuther-Straße, das der Graffitikünstler Karsten Mönchsgesang gestaltet hat.
Für den Frauennotruf wirbt seit einigen Wochen ein Stromhäuschen an der Ernst-Reuther-Straße, das der Graffitikünstler Karsten Mönchsgesang gestaltet hat.

Eines ist dem Team des Frauennotrufs besonders wichtig: „Wir gehen jeden Weg mit unseren Klientinnen mit.“ Niemand werde beispielsweise überredet, die Polizei oder das Gericht einzuschalten.
„Wir zeigen alle Optionen auf – und akzeptieren es selbstverständlich auch, wenn eine Frau sich erneut für ihre Beziehung entscheidet. Wir gehen den Weg, den die Frau uns vorgibt.“ Viele Frauen melden sich ohnehin erst dann, wenn sie den Täter bereits verlassen haben und Hilfe auf dem Weg in ein neues Leben brauchen. Ihnen stehen die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs mit Rat und Tat zur Seite, beispielsweise wenn es um Aufklärung über rechtliche Möglichkeiten, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder eine vorübergehende Unterbringung in der Schutzwohnung des Frauennotrufs geht.
Der schönste Lohn für Sandra Hanns, Tina Schloßbauer und ihre Mitstreiterinnen: „Wenn uns eine ehemalige Klientin erzählt: ,Ich bin so froh, dass ich davon losgekommen bin. Den Kindern und mir geht es gut.‘“ Sandra Langer

Fotos: Björn Pausch/Diakonie Hochfranken

Wer Hilfe sucht, erreicht den Frauennotruf der Diakonie Hochfranken unter Telefon 09281/77677 oder E-Mail frauennotruf@diakonie-hochfranken.de.
An Wochenenden und Feiertagen übernehmen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen die Rufbereitschaft. Leiterin Sandra Hanns sucht dringend noch Frauen, die sich vorstellen können, mitzuhelfen. Interessentinnen können an Schulungsmodulen teilnehmen, in denen die wichtigsten Inhalte über die Arbeit vermittelt werden, und entscheiden anschließend selbst, wann und in welchem Umfang sie Rufbereitschaften übernehmen wollen. Wer helfen möchte, erreicht Sandra Hanns ebenfalls unter oben genannter Telefonnummer und Mail-Adresse.
Der Frauennotruf der Diakonie Hochfranken feiert heuer 25. Geburtstag und stand seit seiner Gründung rund 6500 Klientinnen zur Seite. Neu ist das Angebot der Online-Beratung, die sowohl per Video-Chat als auch, wenn gewünscht, völlig anonym und niederschwellig stattfinden kann. Der Link zur Online-Beratung findet sich auf der Homepage des Frauennotrufs unter https://diakonie-hochfranken.de/beratung-hilfe/soziale-beratung/frauennotruf-hochfranken/
Schulen, die sich für die Präventionsarbeit interessieren, sind herzlich eingeladen, die Mitarbeiterinnen zu kontaktieren und Termine zu vereinbaren.

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