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An den Rollstuhl gefesselt und fast blind: Die 29-jährige Hoferin Claudia Richter hat trotz ihrer Behinderung einen Gedichtband herausgebracht. Und das war nur das erste große Projekt.

Von Julia Harke
Als ob man einen Schleier vor dem Gesicht hat: So beschreibt Claudia Richter das, was sie noch von ihrer Umwelt wahrnehmen kann. Die 29-jährige Hoferin ist wegen der Folgen einer Augenoperation 2006 fast blind, seit ihrer Geburt gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – schreibt sie Gedichte.
„Ich musste ja etwas tun. Nach dem Hauptschulabschluss musste ich meine Ausbildung zur Telefonistin aus gesundheitlichen Gründen abbrechen“, erklärt die junge Frau. Also habe sie angefangen, Gedichte am Computer zu verfassen. Das war vor rund acht Jahren. Im Mai 2011 ist ihr erster Band „Wanderung durch das Jahr“ erschienen. Fast 300 Bücher hat sie bereits verkauft.
„Mein Talent habe ich von meiner Oma geerbt, die ebenfalls Gedichte geschrieben und in der Zeitung veröffentlicht hat. Anfangs schrieb Claudia Richter Verse für Freunde oder bastelte Hochzeits- und Geburtstagsbücher. Ihre Gedichte gefielen so gut, dass die Menschen aus ihrem Umfeld sie dazu ermunterten, sie zu veröffentlichen. „Zuerst wollte ich das nicht. Aber dann habe ich mir doch ein Herz gefasst“, erzählt Claudia Richter. Sie hat 44 ihrer rund 600 Gedichte an einen Frankfurter Verlag geschickt und sie wurden alle angenommen.
Es sind Gedichte über den Herbst, den Winter, den Frühling, den Urlaub, Ostern, Weihnachten, Tod, Liebe, Vergänglichkeit und vieles mehr. „Die Gedichte fließen einfach in meinem Kopf, ich muss sie dann nur niederschreiben“, sagt Claudia Richter. Und das Niederschreiben funktioniert so: Die junge Frau setzt sich ein Head-Set auf, also Kopfhörer und Mikrofon, die an den Computer angeschlossen sind und spricht ihre Gedichte ein. Das Spracherkennungsprogramm zeichnet das Gesprochene auf und überträgt es in das Schreibprogramm. Das Programm zeichnet nicht fehlerfrei auf. Also beginnt hier die Arbeit für Claudias Familie: Ihr Vater, ihre Mutter oder ihr Lebensgefährte müssen Korrektur lesen.
Überhaupt steht die Familie hinter Claudia: „Ohne sie hätte ich das alles gar nicht geschafft“, sagt sie. Die Verhandlungen mit dem Verlag, das Korrekturlesen, Formatieren und viele andere Dinge. Familie ist Claudia ohnehin sehr wichtig: „Mein Freund sagt immer, ich sei die Familienmanagerin, weil ich so gerne Dinge gestalte – zum Beispiel die Hochzeits- oder Geburtstage für Freunde und Bekannte oder mal ein Candlelight-Dinner für meine Eltern Manfred und Ilse.“ Ihre Familie war es auch, die Lesungen im Galeriehaus für sie organisiert hat. „Da ich ja selbst nicht vorlesen kann, hat in meinem Namen eine Freundin meine Gedichte vorgetragen.“
Sie wirkt sehr selbstbewusst, offen und zielstrebig. Die junge Frau hat viel durchgemacht – nach mehreren schweren Augenoperationen hatte sie am Ende nur 2,5 Prozent Sehkraft behalten. „Das wird bis an mein Lebensende so bleiben. Aber ich gebe nicht auf“, sagt sie. Nur fliegen dürfe sie nicht mehr, wegen des Drucks im Flugzeug. Und das Paragliding würde ihr fehlen. Das habe sie mal ausprobiert und war überglücklich dabei gewesen.
Zwei wichtige Projekte hat Claudia Richter derzeit am Laufen. Sie will bei einem Wettbewerb ein Schreib-Fernstudium gewinnen. Ende Mai wird entschieden, wer das Fernstudium gewonnen hat. Das zweite Projekt ist ihr 30. Geburtstag im Mai. Den will sie mit 30 Freunden feiern und plant jetzt schon die große Fete. Nebenbei entsteht ihr erster Roman. „Einen Roman zu schreiben ist schwierig. Ich habe schon mehrere Fassungen angefangen und sie immer wieder verworfen.“ Eines ist aber gewiss: Es wird ein Roman über Liebe und Schicksal.
Damit sie das alles schaffen kann, wünscht sie sich „Gesundheit. Und, dass ich immer weiter schreiben kann. Schreiben ist mein Leben, ich habe Spaß und Freude daran. Und ich wünsche mir neue Ideen, weil es den Leuten gefällt, was ich mache. Aber Hauptsache: Gesundheit.“
ProHof verlost zehn Bücher
Der Gedichtband „Wanderung durch das Jahr“ mit 63 Seiten ist beim public book media verlag (Goethe-Verlag) erschienen und kostet 10,80 Euro. Den Band kann man bei Amazon oder in allen Buchhandlungen bestellen. Wir verlosen zehn Bücher. Wer eines haben möchte, löst das Rätsel auf Seite 26 und schickt das Lösungswort an ProHof e.V., Konrad-Adenauer-Platz 1, 95028 Hof oder an
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