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Reisende, Behinderte oder Obdachlose: Wer in Not ist, bekommt bei der Bahnhofsmission in Hof Unterstützung. Die Mitarbeiter haben ein offenes Ohr und helfen weiter.

Von Julia Harke
Es ist ein kalter, sonniger Wintermorgen, kein einziger Zug steht auf dem Gleis am Hofer Bahnhof. Die Wartenden schauen mürrisch drein, es fröstelt sie. In der Bahnhofsmission beim Gleis 1b herrscht dagegen Leben: Hier sitzen mehrere Männer und eine ältere Frauan einem Tisch, trinken Kaffee, plaudern miteinander und lesen Zeitung. Sie sind Stammgäste und gehören zu einer Gruppe von etwa 15 Menschen, die sozial benachteiligt sind und regelmäßig hierher kommen. Immer wieder kommen Leute herein. Sie haben alle ein Anliegen.
Um sie alle kümmern sich Edith Söllner, Renate Triebert und Sabine Schmidt von der Diakonie. Sie sind an diesem Montagmorgen im Einsatz.
So wie diese drei Frauen helfen Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen in Deutschland seit 100 Jahren Menschen, die in Not geraten sind. Die Bahnhofsmission in Hof gibt es seit 60 Jahren. Ihre Träger sind der Caritasverband und die Diakonie Hochfranken. Immer abwechselnd sind Mitarbeiter der beiden Wohlfahrtsverbände fünf Tage die Woche – von Montag bis Freitag - am Bahnsteig und in den Räumen der Mission tätig. Sie betreuen Reisende, Alte, Männer und Frauen mit Behinderung, Menschen in Notsituationen, Obdachlose oder allein reisende Kinder: „Jeder kann kommen“, sagt Edith Söllner. Sie arbeitet seit 25 Jahren in der Bahnhofsmission. „Wir können zwar keine Probleme lösen. Aber wir vermitteln weiter.“ Wer ein Gebet will oder ein Gespräch, bekommt auch das. In Ausnahmefällen strecken Diakonie oder Caritas sogar Geld für eine Fahrkarte vor.
Häufig leiten die Mitarbeiter in Not Geratene an verschiedene Einrichtungen weiter. „Wenn jemand Schulden hat, verweise ich ihn an die Schuldnerberatung. Menschen, die nichts zum Anziehen haben, schicke ich zur Kleiderkammer“, erklärt Renate Triebert. Für Männer, die alles verloren haben, gibt es das Thomas-Breit-Haus, ein Resozialisierungswohnheim. Auch Rauschgiftsüchtige suchen hier Hilfe. Und nicht nur das. „Einmal war sogar ein Mann da, der sich umbringen wollte: Er hatte Schulden und seine Frau hatte ihn rausgeschmissen“, erzählt Renate Triebel. Sie hat ihm die Bezirksklinik in Rehau ans Herz gelegt. Manche nehmen die Weitervermittlung aber nicht an.
Die Bahnhofsmission ist in drei Räume aufgeteilt: Im ersten Raum stehen Tische, an denen die Leute Kaffee trinken und zusammen sitzen. Der nächste ist ein Ruheraum, in dem Frauen ihre Kinder wickeln, Diabetiker sich eine Spritze geben, kurz im Sessel verschnaufen und jedermann sich notdürftig am Waschbecken frisch machen kann: „Dann gehen wir kurz raus. Am Hofer Bahnhof gibt es ja keine Dusche“, erläutert Renate Triebert. Im dritten, dem hintersten Raum, halten sich hauptsächlich die Mitarbeiter auf. Hier sind eine Küche untergebracht, ein großer Schreibtisch mit Computer, Telefon und ein Esstisch.
Oft müssen die Frauen auf den Bahnsteig raus. Sie helfen dann Reisenden beim Umsteigen, zum Beispiel Rollstuhlfahrern. Sie holen Kinder vom Zug ab und setzen sie in den nächsten oder helfen Älteren beim Lesen der Fahrpläne. Eine blinde Frau kommt herein und bittet Renate Triebert, dass sie sie zum richtigen Gleis bringt. „Sie kommt häufig“, sagt die Diakonie-Mitarbeiterin und geht mit der Frau hinaus. Ein wenig später kehrt sie mit einem älteren Mann zurück. Er setzt sich zu den anderen und trinkt Kaffee.
Die drei Frauen sind offen und heiter, sie helfen gerne weiter. „Doch die Bahnhofsmission ist keine Wärm- und Teestube. Es gibt hier auch keine warmen Mahlzeiten“, sagt Edith Söllner. Oft genug muss sie Grenzen setzen und Menschen wieder wegschicken, die die Hilfe der Bahnhofsmission missbrauchen oder die ohne Not immer wieder kommen.
Oft genug erhalten sie aber auch selbst Unterstützung: „Regelmäßig kommt eine Frau vorbei, die Kuchen mitbringt,“ sagt Renate Triebert. Sie ist nicht die einzige. Besonders in der Weihnachtszeit spenden Hofer Unternehmer schon mal ein Essen. Auch ein Mann schneit immer wieder zu Weihnachten herein und bringt Schokonikoläuse. Und auch das ist schon mal passiert: „An einem Weihnachtsabend vor ein paar Jahren stand plötzlich ein Mann in der Tür und schenkte jedem, der hier saß, zehn Euro.“ Renate Triebert lacht fröhlich, wenn sie daran denkt. Dabei fällt ihr noch eine andere Geschichte ein: „Ein 80-Jähriger hatte eine Kontaktanzeige aufgegeben und als Treffpunkt die Bahnhofsmission genannt.“ Er wartete nicht vergebens: Die Frau, die sich meldete, und er sind jetzt ein Liebespaar.
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